Sensations-Nachwuchs im Zoo Hellabrunn: Eisbärendame Giovanna bringt Zwillinge zur Welt!
Natalie Kettinger, 10.12.2013 Quelle : Abendzeitung München
Sie
sind kaum größer als Meerschweinchen und wiegen höchstens 600 Gramm:
Giovannas Zwillings-Bärchen, deren Geschlecht noch unklar ist und die –
auch deshalb – noch keine Namen haben. Das Bild aus der Wurfhöhle hat
eine Überwachungskamera aufgenommen. Der Vater ist Eisbär Yoghi.Foto: Hellabrunn
Darauf haben Pfleger und Fans lang gewartet: In Hellabrunn bringt Eisbärin Giovanna zwei Jungtiere zur Welt – vor laufender Kamera
Es
ist eine doppelte Sensation: Zum ersten Mal seit mindestens 30 Jahren
sind im Tierpark Hellabrunn Zwillings-Eisbären zur Welt gekommen. Die
Wurfhöhle wurde rund um die Uhr mit einer Video-Kamera überwacht. So
entstand die weltweit einzige existierende Farbfilm-Aufnahme einer
Eisbären-Geburt.
Bislang
war es jeden Winter dasselbe: Mitte November zog sich Eisbärin Giovanna
(7) in das Mutter-Kind-Haus des Polariums zurück, räkelte sich
gemütlich auf ihrem Hackschnitzelbett – und Münchens Tierfreunde hofften
auf ein oder zwei „Weihnachtsbärchen“. Äußerlich war Giovanna nie etwas
anzumerken.
Eisbär-Babys
sind ungefähr so groß wie Meerschweinchen und wiegen maximal 600 Gramm.
Bei einem 300 Kilo schweren Muttertier ist es deshalb unmöglich, eine
Schwangerschaft mit bloßem Auge zu erkennen. Gewissheit hätte nur eine
gründliche Untersuchung unter Vollnarkose bringen können. Doch darauf
verzichtete man, um die Bärin nicht nervös zu machen.
Die
Pfleger waren deshalb zum Zuschauen via 24-Stunden-Kamera verdammt. Und
wurden zwei Mal enttäuscht: Im Januar 2012 kehrte die Raubtier-Dame
allein aus ihrer Wurfhöhle zu Eisbär-Männchen Yoghi (14) zurück. Genau
wie im Frühjahr 2013. Doch diesmal ist alles ganz anders. Eher zufällig
entdeckt Kuratorin Beatrix Köhler am Montagmittag auf dem
Überwachungsvideo ein winziges, flauschiges Etwas. Sie spult das Band
zurück – und trommelt das Team zusammen.
„Dann
standen wir alle wie gebannt hinter ihr, stundenlang“, erzählt
Tierpark-Sprecherin Christiane Reiss gerührt. Denn die Aufnahmen zeigen,
worauf alle gewartet haben: Innerhalb einer Stunde bringt Giovanna zwei
Junge zur Welt. Nach einer Blitzgeburt trägt sie das erste Tierchen in
ihre Box. Es ist mausgrau, noch blind und blutverschmiert. Die Mutter
ist noch damit beschäftigt, sein Fell sauber zu schlecken, als der
zweite Baby-Bär geboren wird.
„Sie behandelt die beiden sehr, sehr
gut und ist überhaupt nicht aufgeregt“, sagt Christiane Reiss. „Man
könnte fast meinen, sie hätte so etwas schon einmal erlebt.“
Hat sie aber nicht. Die Zwillinge sind ihr erster Nachwuchs.
Der
scheidende Tierpark-Chef Andreas Knieriem ist ganz aus dem Häuschen:
„Ein Doppelpack Eisbärenglück zur Vorweihnachtszeit! Mehr können sich
ein Zoodirektor und sein Team doch gar nicht wünschen. Ich hoffe, dass
sich Giovanna weiterhin so fürsorglich um ihre Eisbär-Babys kümmert und
im Frühjahr mit den beiden die Außenanlage erkundet.“
Allerdings
gelten die ersten Wochen im Leben eines jungen Eisbären als sehr
kritisch. „Eisbären haben die höchste Sterblichkeit von allen
Säugetieren“, sagt Christiane Reiss. Selbst wenn sich Giovanna weiterhin
so vorbildlich verhalte, könne es zu Komplikationen kommen. Doch daran
mag jetzt niemand denken – 19 Jahre nachdem in Hellabrunn zuletzt ein
Eisbär-Baby geboren worden ist.
Damals sorgte Eisbärin Lisa mit
ihrem eigenen Sohn, Michi (1987 – 2006) für Nachwuchs: 1994 kam in
München Eisbär Lars zur Welt, der später im Zoologischen Garten Berlin
den wohl berühmtesten deutschen Eisbären zeugte: den Medien-Star Knut.
Lisa musste 2009 im Alter von 33Jahren eingeschläfert werden. Lars lebt
heute im Zoo Rostock.

